Verdächtigungen

[sirko] Was man von Nachrichten aus Syrien zu halten hat, die neben der eigentlichen Information eine Bewertung aus der Ferne gleich mitliefern, wurde gestern erneut unter Beweis gestellt. Nach dem Luftangriff auf eine Moschee nahe Aleppo kamen am Donnerstag mindestens 42 Menschen ums Leben. Soweit die Fakten. Diesen folgte die unterschwellige Beschuldigung. Denn verschiedene deutsche Medien fügten umgehend an:

«In diesem Gebiet fliegen die Luftwaffen Syriens und Russlands Angriffe.»

Nun hat sich allerdings der wirkliche Verursacher gefunden: die Vereinigten Staaten. Natürlich erklärte umgehend ein Sprecher des US-Zentralkommandos, man habe ein Gebäude voller Al-Kaida-Anhänger 15 Meter neben der Moschee angegriffen, aber der Angriff selbst wurde bestätigt. Folgerichtig hätte es heißen müssen:

«In diesem Gebiet fliegen die Luftwaffen Syriens, Russlands und der USA Angriffe.»

Nein, ich bin nicht darüber froh, dass die Amerikaner es waren. Ich würde mich darüber freuen, wenn dieser Krieg endlich zu Ende wäre. Wenn alle Kriege zu Ende wären. Es geht mir allein um die vielbeschworene journalistische Qualität. Und die sehe ich weder in Syrien noch im Donbass gegeben. Besonders in Syrien berufen sich zahlreiche Medien auf die ominöse Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die aus einem Textilhändler aus Großbritannien besteht, der angeblich über mehr als 100 Quellen vor Ort verfügt. Die meisten Erkenntnisse der «Stelle» sind allerdings von Dritten bei twitter oder facebook veröffentlicht. Sorry, nach dieser Entsprechung könnte ich für mich selbst mehrere Tausend Quellen bemühen, so viele, wie ich zu sichten zeitlich in der Lage wäre.

Dennoch steckt hinter solchen Verfahrensweisen ein System. Denn zu Propaganda und Desinformation gehören nicht nur das Verbreiten von Falschmeldungen, sondern auch das Unterschlagen und Umdeuten von Informationen und der mittelbare Fingerzeig auf mutmaßliche Verdächtige. Beispiele gibt es dafür zur Genüge. So häufig der Satz: «Ein rechtsextremer (seltener linksextremer) Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden.» Kann bei Vorliegen keiner Erkenntnis überhaupt jemand oder etwas ausgeschlossen werden?

Dagegen ist fast jeder islamistische Terrorverdächtige psychisch krank. Nun gut, das mag noch am ehesten zutreffen. Denn welcher Mensch begeht solche Taten? Zugegeben, vielleicht ein Überzeugungstäter!

Wieder etwas gelernt. Die Medien dürfen also pauschale Verdächtigungen äußern, die Bürger hingegen nicht. Weil sie damit Hetze betreiben. Irgendwie ungerecht, finde ich. Und widersinnig dazu.

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