Das fünfte Gebot und die Soldaten

[sirko] »Du sollst nicht morden.« So fordert es das fünfte Gebot und verwirft damit den direkten und willentlichen Mord als schwere Sünde. In unserem Rechtsraum ist ein Mord die Tötung eines Menschen aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier, aus anderen niedrigen Beweggründen oder zur Verdeckung einer Straftat. Weitere Merkmale sind Heimtücke, Grausamkeit oder die Verwendung gemeingefährlicher Mittel. Nicht jede Tötung eines Menschen ist also ein Mord – das sieht die römisch-katholische Kirche nicht anders als die Bundesrepublik Deutschland. Die Tötung eines Rechtsbrechers in Notwehr ist für die Kirche kein Verstoß gegen das fünfte Gebot (siehe u.a. KKK 2321) und für den Staat kein Verbrechen (siehe § 32 StGB). Einigkeit besteht auch bezüglich der Verhältnismäßigkeit. Die Wahl der Mittel muss angemessen sein, eine überzogene Abwehr eines Angriffs ist nicht zulässig und die Situation darf nicht provokativ herbeigeführt werden.

Auch die Stellung der Garanten, also der im staatlichen Auftrag handelnden Beauftragten, wird seitens der Kirche nicht in Frage gestellt, sondern der Katechismus spricht bei dieser Personengruppe sogar von einer schwerwiegenden Pflicht zur Wahrnehmung der Notwehr. Der Katechismus der Kirche anerkennt damit das rechtmäßige Gewaltmonopol eines Staates. Grundsätzlich hält KKK 2306 zum Verzicht auf gewaltsame Handlungen an und bezeichnet den Gewaltverzicht als Zeugnis der Liebe des Evangeliums, schränkt aber gleichzeitig durch den Verweis auf die Verletzung der Rechte und Pflichten Dritter ein, die durch den Verzicht auf Verteidigung entstehen könnten. An dieser Stelle kommen wir zu den Verantwortungsträgern für das Gemeinwesen. Und zu den Soldaten.

Einige leicht gekürzte Aussagen aus dem Katechismus: »Damit das Menschenleben geachtet wird und sich entfalten kann, muss Friede sein. Friede besteht nicht einfach darin, dass kein Krieg ist. Friede auf Erden herrscht nur dann, wenn die persönlichen Güter gesichert sind, die Menschen frei miteinander verkehren können, die Würde der Personen und der Völker geachtet und die Brüderlichkeit unter den Menschen gepflegt wird. Der Friede besteht in der Ruhe und Ordnung. Er ist das Werk der Gerechtigkeit und die Wirkung der Liebe.« (KKK 2304, vgl. GS 78,5 und GS 78.1-2)

Ein Blick auf die Krisenherde der Welt lässt erkennen: Nicht in allen Regionen herrscht Frieden und Gerechtigkeit, Ruhe und Ordnung. Noch immer sind Staaten und Territorien in der Hand von rücksichtslosen Diktatoren und verbrecherischen Gruppierungen, nicht überall sind die Menschen frei und in ihrer Würde geachtet. Über die weltweite Verfolgung der Christen bspw. wird auf diesem Blog regelmäßig berichtet. Friedliche Lösungen sind leider nicht immer möglich, die Mittel der Diplomatie versagen, sobald sie auf politische Ideologien und religiösen Fanatismus stoßen. Die Rechte zahlloser Menschen werden noch immer mit Füßen getreten und in Ausnahmefällen können die einfachsten Maßstäbe nicht anders durchgesetzt werden als durch eine militärische Intervention. Hierzu bedarf es der Soldaten.

Die Soldaten, Töchter und Söhne unserer Völker, tragen gemäß ihres Berufes die Last der Militäreinsätze. Die Angehörigen der Bundeswehr handeln auf Anordnung der legitimen Regierung mit dem Mandat der von uns gewählten Volksvertreter und der Vereinten Nationen. Sie versehen ihren schwierigen, zunehmend gefahrvollen und entbehrungsreichen Dienst nach bestem Wissen und Gewissen – und im Vertrauen auf die Rechtmäßigkeit der Einsätze und der Befehle ihrer Vorgesetzten. Ihre Aufgabe ist nicht primär das Töten von Gegnern, sondern die Herstellung von Ruhe und Ordnung. Dass hierbei auch Gewalt angewendet werden muss, liegt in der Natur der Sache. Die Kritik daran ist unbedingt zulässig, die Schmähung und Diffamierung der Soldaten ist es nicht.

Wie weit die Ablehnung des Soldatenberufs mittlerweile geht, zeigt u.a. auch eine ›Ökumenische Initiative zur Abschaffung der Militärseelsorge‹. Nicht nur sollen die Soldaten ihre vertrauten geistlichen Ansprechpartner verlieren, nein, als würde man von Kriminellen reden, werden auch ›Aussteigerprogramme‹ erwogen. Ein empörendes Unterfangen! Die Seelsorge, die man selbst den sechs verbrecherischen Gruppenvergewaltigern in Indien gewiss nicht verweigern würde, soll den Soldaten, die sich mit Leben und Gesundheit für unsere Freiheits- und Rechtsordnung einsetzen, künftig nicht mehr angedeihen. Mir drängt sich da der Gedanke an gottlose Diktaturen auf, in denen der Ungerechte belohnt und der Gerechte sanktioniert wird.

Gerade die Militärseelsorge ist heute wichtiger denn je. Die Art der bewaffneten Konflikte hat sich stark verändert, der heutige Soldat ist wegen des Fehlens jeder Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Verbündeten und Gegnern besonders gefährdet. Ihre Militärpfarrer sind es, die ihnen in den Stunden der Bedrängnis Hoffnung vermitteln, sie im Glauben stärken, ihnen die hierfür zentralen Sakramente spenden, ihnen geistigen Beistand bieten und zugleich an der Gewissensbildung des einzelnen Soldaten entscheidend mitwirken – gleichsam die Todesgefahr mit ihnen teilend.

Kein Soldat ist ein Mörder, wenn er im Rahmen der korrekten Ausübung seiner Pflicht einen Menschen getötet hat – insbesondere um einen anderen Menschen zu schützen. Er ist deswegen auch kein Sünder, so lange er nicht aus Hass oder Rache gehandelt hat. Ich hätte mir von Militärbischof Dr. Overbeck in dem am 17. Oktober 2012 ausgestrahlten Polit-Talk ›Anne Will‹ eine deutliche Wertung des fünften Gebots und besonders zur Unterscheidung zwischen dem strafbaren Mord und der gerechtfertigten Tötung gewünscht. Damit wären viele Soldaten, die an Auslandseinsätzen teilgenommen haben, von einer großen Last befreit worden. Das zumindest hätten sie verdient, denn:

»Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde.« (Joh. 15,13)

Perfektes Timing

[sirko] Kaum fordert die syrische Opposition eine Zukunft Syriens ohne Assad, schon springt nicht nur Deutschlands Außenminister Gabriel herbei – und danach die gesamte EU – und verlangt, die Verbrechen Assads nicht zu vergessen, nein, prompt setzen die syrischen Regierungstruppen nahe Idlib angeblich Giftgas ein. Schon seltsam. Dabei hat sogar eine NGO den Friedensnobelpreis dafür bekommen, weil sie die syrischen Giftgasvorräte zu 100 Prozent vernichtet hat. Nun, vielleicht wurden ja ein paar Fässer übersehen. Ich kann es nicht sagen. Dennoch sehen wir ein perfektes Timing – und einen Autokraten, der anscheinend völlig den Verstand verloren hat und just in jenem Moment giftmörderisch tätig wird, in dem man ihn ohnehin wieder enger in die Zieloptik nimmt.

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Russland in Trauer

[sirko] Erneut hat der islamistische Terror zugeschlagen. Diesmal in Sankt Petersburg, der geschichtsträchtigen russischen Metropole am Weißen Meer mit ihren fünf Millionen Einwohnern. Ein Splitterbombenanschlag, durchgeführt von einem kirgisischen Selbstmordattentäter, riss vierzehn Menschen in den Tod und verletzte mindestens 40 weitere teils schwer. Der Anschlag ereignete sich gestern gegen 14:40 Uhr in der stark frequentierten Petersburger Metro inmitten der Innenstadt zwischen den Stationen am Sennaya-Platz und dem Technologischen Institut.

Seit die Russische Föderation gegen das Terrorkalifat IS kämpft, ist die Terrorgefahr erheblich gestiegen. Im Jahr 2015 erklärte der IS sogar Russland den Krieg. Kürzlich habe ich vom Überfall der islamistischen Terroristen im Südkaukasus berichtet, der einer Einheit der russischen Nationalgarde galt. Insgesamt gehen russische Sicherheitsbehörden von mindestens 3.000 Islamisten aus, darunter viele mit Kampferfahrung in Syrien, die in Russland ihr Unwesen treiben. Und ich schrieb auch, dass Russland im Kampf gegen den internationalen Terrorismus im Namen Allahs ein Verbündeter ist und kein Gegner.

Für die deutsche Politik schäme ich mich. Kein Anruf der Regierungschefin in Moskau, sondern ein Telegramm mit warmen Worten. Während der US-Präsident in einem Telefonat wenigstens die Unterstützung seines Landes anbietet und die israelische Metropole Tel Aviv ihr Rathaus in Russlands Farben leuchten lässt, kommen aus Berlin nur Allgemeinplätze, die angesichts der sonstigen Sprachlosigkeit und Empörung gegenüber Moskau eher als Akt der Heuchelei wirken müssen. Keine Hilfsangebote. Das Brandenburger Tor bleibt grau. Sankt Petersburg sei keine offizielle Partnerstadt Berlins, ließ der Berliner Senat verlauten. Diese Begründung sehen selbst deutsche Medien als alberne Ausrede an.

Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt waren viele meiner russischen Freunde tief erschüttert. Ich habe im Internet unzählige Grafiken gesehen, in denen zum Gebet für Deutschland und Berlin gebeten wurde, und andere, die ihre Anteilnahme ausdrückten. Doch nach dem Anschlag in Sankt Petersburg bleiben die Menschen in Russland mit ihrer Trauer und Bestürzung weitestgehend unter sich. An dieser Stelle frage ich mich, welche Bevölkerungen der Propaganda ihrer Regierenden mehr erliegen. Es zeigt sich anschaulich, wie stark sich die Verteufelung Russlands in den Köpfen zahlreicher Europäer eingenistet hat.

In Gedanken bin ich bei den Menschen in Sankt Petersburg und ganz Russland. Ich wünsche aus tiefstem Herzen den Ermordeten Frieden, den Hinterbliebenen Trost und den Angehörigen Stärke und Hoffnung. Ich bin bei euch, liebe Brüder, Schwestern und Freunde.

Gott schütze Russland und seine Völker!

Der türkische Pyrrhussieg

[sirko] Wer im syrischen Bürgerkrieg den Überblick behalten möchte, muss sehr viel Zeit und Geduld investieren. Längst geht es nicht mehr um das Für oder Gegen die Regierung Assad. Es kämpfen alle Beteiligten gegen den IS und nahezu alle Beteiligten gegeneinander. Die einstigen Garantiemächte und Unterstützer der einen oder anderen ursprünglichen Kriegspartei sind längst zu Kriegsteilnehmern geworden, wobei deren Verhältnisse untereinander von zentraler Bedeutung geworden sind.

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Der Soldat Lee Rigby

Anlässlich des Terroranschlags im März 2017 in der britischen Hauptstadt erscheint an dieser Stelle erneut ein Beitrag über die Ermordung eines jungen britischen Soldaten. Dieser Mord kennzeichnet anschaulich und in tragischer Weise den brutalen, verbrecherischen Wahnsinn der islamistischen Terroristen, der sich letztlich gegen jeden von uns richtet.

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Das Netz des Terrorstaates

[sirko] In den vergangenen Monaten hatte der IS-Terrorstaat in Syrien und im Irak schwere Rückschläge hinnehmen müssen. Ein großer Teil der Hochburg des «Kalifats» im irakischen Mossul ist gefallen, syrische Regierungstruppen und Kurdenmilizen bewegen sich auf ar-Raqqa in Nordsyrien zu, die Türken nahmen Al-Bab ein, Assads Syrisch-Arabische Armee eroberte Palmyra zurück.

Doch wer damit die Terrormiliz als geschlagen ansieht, unterliegt einem Irrtum, der unter Umständen tödlich sein kann. Eine Terrororganisation mit dem zeitweiligen Erfolg des IS verschwindet nicht einfach so. Bereits jetzt gibt es Ableger der Terrortruppe in Libyen, Ägypten, Afghanistan, Jemen, Nigeria und anderen Ländern. Kleine Zellen leben unter uns, wie die jüngsten Anschläge in europäischen Städten unter Beweis stellten.

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